Auf ein Wort

Was vor wenigen Stunden in Conneticut geschah ist einfach nur entsetzlich und lässt sich kaum in Worte fassen. Dass die Medien diese Tragödie wieder missbrauchen um sich daran eine goldene Nase zu verdienen, ist allerdings eine Perversion, die ebenfalls nur schwer zu fassen ist.

Zum Vergleich: Massaker in Drittweltländern werden als „vernachlässigbar“ hingenommen, weil sich dort eben nur „primitive Neger“ oder „Bohnenfresser“ umbringen – alles Individuen die sich weit jenseits der sauberen Glamourwelt der selbsternannten Bessermenschen in Industrienationen bewegen. Hat man von den üblichen Weltrettern schon mal ein einziges Wort über Bandenkriege in den Slums von Sao Paolo gehört oder dass täglich weltweit 24.000 Menschen an Hunger sterben? Nein, sind ja keine „Amokläufe“ und scheinbar ist wohl auch die Menthalität der Menschen dort anders. Für mich klingt das nach ganz profanem Rassismus, wie man ihn an jedem Nazistammtisch hört, aber für Waffengegner gelten scheinbar andere Spielregeln.

Zur ungefähr gleichen Zeit wie in Conneticut wurden in China 22 Menschen von einem Verrückten mit einem Messer verletzt – keine Zeile darüber ist hier in unseren Zeitungen zu lesen, „Schlitzaugen“ sind eben keinen Pfifferling mehr wert, wenn Amerikaner bluten.

Auf der ganzen Welt sterben Menschen wie die Fliegen, aber Betroffenheit heuchelt man nur, wenn man sie gewinnbringend vermarkten kann. Obama konnte vor laufender Kamera ein paar Tränchen herausdrücken, während er zur gleichen Zeit in zig anderen Ländern selbst den Tod von Kindern zu verantworten hat, weil man alles in die Steinzeit zurückbombt, was den Amerikaner daran hindern könnte auch noch in 50 Jahren einen Big Block mit 7 Litern Hubraum zu fahren – unsere grünen Müslikiffer vergessen das gerne, wenn sie Bundeswehrsoldaten mit völlig untauglicher Ausrüstung dazu zwingen sich an dieser Scheiße zu beteiligen, während sie den Durchschnittsbürger jedoch trotzdem dazu geißeln sich Autos mit farbigen Plaketten zu kaufen, damit auch weiterhin straffrei durch „Umweltzonen“ gefahren werden darf. All das geschieht natürlich auch um für „mehr Sicherheit“ zu sorgen. Stellt sich die Frage von wessen Sicherheit die Rede ist, wenn sie Unterdrückung von Völkern durch härtere Gesetze und die Ermordung von Familien zum Erhalt von Rohstofftransporten erfordert – unsere Sicherheit kann damit wohl nicht gemeint sein. Ich mag so manches Detail ausgelassen haben, aber ich bin mir recht sicher, dass wir von völlig verblödeten Schwätzern regiert werden, denn Kalkül kann ich darin nicht erkennen.

Die Regierungen morden auf der ganzen Welt wie sie lustig sind, aber uns Sportschützen präsentiert man als verrückte „Waffennarren“ oder daueralkoholisierte Sonderlinge, die gerne zu Hitlerbildchen wichsen oder auch schon mal Jäger spielen und Katzen erschießen. Kein Horrormärchen ist zu bizarr um nicht von irgendwelchen Durchgepeitschten geglaubt zu werden, aber die Wahrheit interessiert ja auch nicht wirklich.

Der Tod ist längst zur Einnahmequelle vieler geworden und wer gestern noch betroffen Solidarität mit den Angehörigen in den USA bekundete, pisst heute schon wieder den afrikanischen Kindersklaven in das Erdloch in dem man sie verscharrte, weil sie beim Abbau von Coltanerz (wird vorwiegend durch Sklaverei vorangetrieben) für unsere geilen und trendy Mobiltelefone und Laptops, ferner chrurgische Instrumente ihr Leben ließen. Jeder der in einer Industrienation lebt, hat blutbeschmierte Hände – Punkt. Der Unterschied ist nur: man kann sich dessen bewusst sein und deshalb mal wirklich der Bibelpassage mit der Sünde und dem ersten Stein ein wenig mehr Aufmerksamkeit widmen, oder man kann weiterhin den Unterschied zwischen „guten“ und „schlechten“ Toten mit einem durch Sklaverei preisreduzierten Smartphone seinen Hipsterkumpels erörtern.

Um eines ganz klar festzuhalten: jeder Tote ist einer zuviel, aber was in Conneticut geschah wird wieder geschehen und lässt sich nicht mit irgendwelchen neuen Verboten verhindern, denn die Waffe macht keinen Täter, die Gesellschaft macht den Täter. Wer sämtliche Zeichen die zu dieser Tragödie führten übersah, soll jetzt nicht mit dem Finger auf Unbeteiligte zeigen und den selbstgerechten Kläger spielen, denn diese Egowichserei ist eine ungeheuerliche Frechheit sowohl den Opfern und den Angehörigen gegenüber als auch den zu Unrecht mal wieder unter Generalverdacht gestellten, rechtstreuen Bürgern. Warum die Hetze gegen Sportschützen, wenn die Täter doch zum größten Teil eine Gemeinsamkeit hatten: sie waren psychisch gestört (damit meine ich nicht Autismus sondern schwerwiegende Störungen der Psyche und die damit einhergehende Problematik bei sozialer Interaktion) und wurden mit Psychopharmaka behandelt. Dass diese Medikamente nicht selten Nebenwirkungen wie Aggressionsschübe, Suizidgedanken oder „roboterhaftes“ Verhalten (Gefühlskälte, bzw. -armut) mit sich bringen, ist ein offenes Geheimnis, aber das alles wird schnell unter den Teppich gekehrt, denn es ist ja um so vieles einfacher, wenn man den Pöbel auf das Sportschützenmonster hetzen kann. Wir sind auf dem Mond gelandet, aber manche unter uns konnten sich geistig noch nicht viel weiter entwickeln als im Mittelalter wo man Ketzerei für die Pest verantwortlich machte.

Zeige ich meinen Nachbarn an, weil in Puerto Rico ein Auto gestohlen wurde? Nein, macht keinen Sinn! Werden in Deutschland Waffenbesitzer als Mörder beschimpft, weil in Amerika ein Geisteskranker mit den Schusswaffen seiner von ihm ermordeten Mutter eine Schule stürmte? Ja! Warum? Weil hoffnungslose Versager früher die Straße fegen mussten, aber heute einen Job in einer Redaktion bekommen.

Mein tiefstes Beileid für die Angehörigen der Opfer und meine tiefste Verachtung denen, die mit Leid ihren Profit steigern.

Morgan Freeman schrieb dazu folgendes:
„“You want to know why. This may sound cynical, but here’s why.

It’s because of the way the media reports it. Flip on the news and watch how we treat the Batman theater shooter and the Oregon mall shooter like celebrities. Dylan Klebold and Eric Harris are household names, but do you know the name of a single *victim* of Columbine? Disturbed
people who would otherwise just off themselves in their basements see the news and want to top it by doing something worse, and going out in a memorable way. Why a grade school? Why children? Because he’ll be remembered as a horrible monster, instead of a sad nobody.

CNN’s article says that if the body count „holds up“, this will rank as the second deadliest shooting behind Virginia Tech, as if statistics somehow make one shooting worse than another. Then they post a video interview of third-graders for all the details of what they saw and heard while the shootings were happening. Fox News has plastered the killer’s face on all their reports for hours. Any articles or news stories yet that focus on the victims and ignore the killer’s identity? None that I’ve seen yet. Because they don’t sell. So congratulations, sensationalist media, you’ve just lit the fire for someone to top this and knock off a day care center or a maternity ward next.

You can help by forgetting you ever read this man’s name, and remembering the name of at least one victim. You can help by donating to mental health research instead of pointing to gun control as the problem. You can help by turning off the news.“

Das bringt es exakt auf den Punkt und eigentlich sollte man die Medien verklagen, wenn ein Trittbrettfahrer aufgrund der permanenten Berichterstattung über solche Vorfäle ein neues Massaker begeht. Macht aber keiner. Warum? Aus dem selben Grund weshalb auch viele Menschen an Unfällen verweilen um die Opfer zu fotografieren während sie schreiend verbluten: Sensationsgier. Menschen sterben zu Unterhaltungszwecken – klingt grausam, ist es auch, aber daran sind nicht die Waffenbesitzer schuld, sondern gewissenlose, völlig verblödete Konsumroboter und deren Leitwölfe, die Medien.

China: http://www.deccanherald.com/content/298545/22-students-stabbed-china.html
Coltan: http://de.wikipedia.org/wiki/Coltan

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7 Kommentare zu “Auf ein Wort

  1. Danilo Lück sagt:

    Du sprichst mir aus der Seele

  2. Klar, Sportschützen sind an allem schuld. Zur Info die folgende Mail an die Betreiber des Diskussionsforums http://www.gunboard.de :

    „Leute wie Ihr seit AKTIV Schuld an den Tragödien wie sie über auf der Welt und zuletzt in Connecticut geschehen.

    Leute wie Ihr, die sich noch groß aus dem Fenster lehnen und sich damit brüsten, dass sie statt Gehirn ein Stück Eisen in der Hand halten.
    Leute wie Ihr, die großkalibrige Tötungswaffen sammeln, die nur zu dem Zweck geschaffen wurden, um ein Stück Metall mit hoher Geschwindigkeit durch den Körper eine Lebewesens zu jagen.
    Leute wie Ihr haben Namen. Einer davon ist ….

    Und wir können uns Namen merken.

    20 Kinder gehen wiedermal auf Euer Konto

    H….“

    • Semper Fidelis sagt:

      Rainer, das ist genau das was ich meine. Die Mail an Gunboard kann schon als ernmstgemeinte Drohung aufgefasst werden – was unterscheidet jetzt den Verfasser der Mail vom Amokläufer? In meinen Augen nichts, denn beide sehen Gewalt als legitimes Mittel zur Verwirklichung ihrer Ziele.

  3. Matthias Recktenwald sagt:

    Nur blöd, dass solch feigen Anonym-Droher anscheinend ihre Probleme mit der Grammatik haben. Ich sag’s mal so: Ich halte lieber ein Stück Eisen in der Hand als mein Gehirn!

    Sorry, aber das musste raus!

    Ansonsten hat der diesseits der Tastatur für seine Schauspielkunst sehr verehrte Morgan Freeman völlig recht. Ich bin auch Journalist, habe aber in meinen Texten zu Themen wie diesem die Namen dieser feigen Kindesschlächter vermieden.

    Ich werde nicht müde zu sagen: Wir müssen diese Taten auch moralisch bewerten, um allen unmissverständlich klarmachen, dass daran absolut nichts irgendwie Heroisches oder Nachahmenswertes ist. Heroisch war die junge Dame namens Victoria, die nach derzeitigem Wissensstand wohl ihr Leben für andere gegeben hat.

    Das heißt mit Blick auf jeden Text über diese Killer: Verstärkter Einsatz von Substantiven wie „Mörder“ und Adjektiven wie „feige“, „hinterhältig“, „niederträchtig“, „heimtückisch“, „arglistig“, „verachtenswert“. Und nicht: „unfassbar“, „unerklärlich“ etc.pp.

    Das ist die moralische Seite. Und die chemische? Da wären wir bei den Medikamenten: Die Diskussion zu Ritalin, Prozac oder ähnlichem führen wir schon seit Columbine High. Ich kenne mit ich nicht mit Krankheiten wie Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom aus, frage mich aber, was da tatsächlich dran ist und was Marketinghype (wieso gab’s das denn früher nicht???). Und ich hätte gern gewusst: Welchem Patiententyp helfen Prozac etc. tatsächlich? Und wie hoch ist der Prozentsatz derer, die über richtig herbe Nebenwirkungen auf ihre psychische Befindlichkeit klagen?

    Contergan wurde auch abgesetzt, als die Folgen unübersehbar waren. Und heute klagen manche der einstigen Contergan-Kinder gegen den Hersteller – zu Recht, wie ich meine.

    • Semper Fidelis sagt:

      Das ist auch bei Jagdgegnern so. Viele von ihnen sind nicht in der Lage einen einfachen Satz zu formulieren, überfluten alles mit „…“ oder schreiben entweder permanent oder zumindest sehr oft in Großbuchstaben – als ob das irgendwas Nachdruck verleihen sollte, den dauerhaft mehr oder minder subtil eingebrachten Beleidigungen oder die ähnlich ausgeprägte, aus dem Subtext deutlich herauslesbare, Entmündigung von Waffenbesitzern/Jägern (man benimmt sich ihnen gegenüber wie bei kleinen Kindern, oder bezeichnet sie als dumm, krank, etc.) noch garnicht mitgerechnet.

      Adjektive wie „unerklärlich“ oder „unfassbar“ suggerieren dem Zuschauer, dass er sich keine eigene Meinung über das Thema bilden kann und nur „Experten“ in der Lage seien eine adäquate Lösung für ein Problem zu finden – das ist Propaganda.

      Genau wegen der schlechten Erfahrungen mit Contergan wird vermieden, dass nähere Details über Psychopharmaka ans Licht kommen, denn die Konsequenz wäre wohl, dass die Verantwortung für Schulmassaker und ähnliche Vorfälle plötzlich zu Teilen bei denen läge, die forciert die Harmlosigkeit solcher Substanzen propagierten und das wäre im wahrsten Sinne des Wortes nicht im Sinne des Erfinders.

  4. Ben sagt:

    Der Besitz von Waffen erzeugt keine Täter !!! Und um Idioten im Besitz von Waffen zu stoppen sind Waffen das einzig wirksame Mittel!
    Und auch ich halte lieber ein Stück Eisen in der Hand statt Gehirn!
    @Semper Fidelis: Die Ausrüstung der Bundeswehrsoldaten ist auf keinen Fall „völlig untauglich“! Da fehlt Dir die Erfahrung und das Wissen!

    • Semper Fidelis sagt:

      Nun, für Afghanistan scheint das G36 nicht geeignet zu sein, denn eine Waffe, die nach 60 Schuss (Feuerstöße) auf 100m schon einen Streukreis von über einem Meter hat, trifft besser, wenn man sie wirft. Auch viele andere Dinge liegen im Argen, nur soviel: ich kenne einen Stabsfeldweben a.D. der schon genug Scheiße erlebt hat und genau weiß, was bei der Bundeswehr nicht stimmt – an den Soldaten liegt es nicht.

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